Chronik

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Der Glockenturm

Im Jahre 1929 stifteten die Brüder Georg und Julius Müller aus Leipzig, deren Eltern einst die Wassermühle an der Röder besessen hatten, zur Erinnerung an ihrem Geburtsort 5000,- Mark. Diese sollten zur Anschaffung von zwei Glocken und zum Bau des dazugehörigen Turmes benutzt werden. Mit dem Guss der Bronzeglocken wurde eine Glockengießerei in Apolda beauftragt.

Die große Glocke war den Gefallenen des ersten Weltkrieges gewidmet und trug folgende Inschrift: „Wenn ich ertöne – gedenke der Söhne – die Blut und Leben für Euch gegeben“. Die zweite kleinere Glocke hatte die Inschrift: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“.

Bei den Beratungen über den Standort des Turmes wurde viel gestritten und somit der Bau des Turmes sehr verzögert. Nach langen hin und her wurde der Gemeindebote mit einer Abstimmungsliste im Dorf herumgeschickt. Jeder Haushalt sollte seine Meinung über den Standort bekannt geben. Hierauf entschieden sich 43 für den Bau auf der Gemeindespitze (Straßengabelung Reichenhainer und Oschätzchener Straße bei der Gaststätte), 13 waren für den Standort Schulgarten, der Rest enthielt sich der Stimme. Entgegen dieser Entscheidung ließ der Gemeindevorsteher Paul Hasemann nun den Turmbau an der Abzweigung des Lassigweges von der Dorfstraße beginnen. Das brachte die Einwohner völlig aus den Konzept. Deshalb beteiligten sich am Bau nur wenige freiwillige Helfer. Im Herbst wurde der Turm dann endlich fertig. Am 16.10.1929 erfolgte die feierliche Einweihung des Klinkerbaues, an dieser sich nunmehr alle Einwohner und sämtliche Vereine beteiligten. Zur Einweihung gab es noch mal Hindernisse, diesmal von Seiten der Kirche. Das evangelische Pfarramt in Würdenhain vertrat die Meinung, für die Gemeinde genüge eine Glocke, die zweite müsse der Kirchgemeinde übergeben werden. Die Gemeinde wies dieses Ansinnen zurück. Der damalige Pfarrer Buchholz lehnte deshalb die kirchliche Weihe der Glocken ab und so musste der Pfarrer von Prösen für den Weiheakt herangeholt werden.

Zur Ehrung der Stifter wurde über den Eingang eine Gedenktafel mit folgender Inschrift angebracht: „Erbaut auf Grund einer Stiftung von Herrn Julius Müller, Leipzig, aus Dankbarkeit seiner Heimatgemeinde. 1929“

Außerdem wurden die Brüder zu Ehrenbürgern der Gemeinde ernannt. Die Glocken läuteten nun dreimal an jedem Werktag (Schulbeginn, Mittagsstunde und Feierabend), sowie zu Festtagen, bei Tod eines Gemeindemitgliedes und Beerdigungen. Dabei waren sie weit über das Dorf im Tal der Schwarzen Elster zu hören. Das schöne Geläut wurde 1942 ein Opfer des Krieges. Auf staatlicher Anordnung mussten die Glocken vom Turm zur Einschmelzung herunter geholt werden. Am Morgen des 20.02.1942 wurden die beiden Glocken von Julius Jost und seinem Enkel Werner Jost zum letzten mal geläutet. Nach dem Krieg kam der Wunsch auf, neue Glocken zu beschaffen. Aufgrund der damaligen Materialknappheit vergingen aber noch einige Jahre. Durch zahlreiche Spenden (über 1000 Mark) aus der Gemeinde war es 1953 endlich möglich 2 neue Glocken zu besorgen. Der Anschaffungspreis lag über 2000 Mark. Die Restsumme wurde aus Veranstaltungen des Prieschkaer Männerchores beglichen. Die Stahlglocken fertigte die Firma Gebrüder Schilling aus Apolda an. Die große Glocke wiegt 480 kg und trägt die Inschrift: „Hart ist die Zeit – Herr steh uns bei mach uns frei“.

Die kleinere Glocke hat ein Gewicht von 360 kg und trägt den Bibelspruch: „ Der Herr gibt deinen Grenzen Frieden“.

Am Weihnachtstag 1953 fand die Glockenweihe statt. Zahlreiche Gemeindemitglieder waren erschienen. Unter der Mitwirkung der Kapelle Jost, des Männergesangsvereins, des Frauenchores und der Schule Prieschka fand ein eindrucksvolles Fest statt. Nach den einleitenden Worten des Prieschkaer Bürgermeisters hielt Pfarrer Vogel die Weiherede. Von nun an ertönen die Glocken an jedem Wochenende (Sonnabend, Sommer: 18 Uhr; Winter: 17 Uhr) und vor jedem Feiertag, bei dem Tod eines Gemeindemitgliedes und das Geläut begleitet die Verstorbenen zur letzten Ruhe. 1994 stellten die Stadtverordneten Ingeborg Angermann und Peter Weck ihr Sitzungsgeld zur Verfügung, damit die Tradition des Glockenläutens, aufgrund Geldmangel, nicht eingestellt wurde.

 

Die Schule

1898/99: Nach dem die Gemeinde Prieschka das ehemalige Herrenhaus des Rittergutes erworben hatte, richtete sie dort ein Klassenzimmer ein. Davor besuchten die Schüler die Schule in Würdenhain. Ostern 1898 wurde die Schule eröffnet. Am 25. April wurde der Lehrer Otto Sachse eingeführt. Vertreten waren die Mitglieder des Schulvorstandes der drei Gemeinden Würdenhain, Haida und Prieschka, sowie die älteren Schüler und Schülerinnen der Gemeinde Prieschka. Nach gemeinschaftlichen Gesang ergriff der Oberschulinspektor Scherff aus Elsterwerda das Wort. Nach Gebeten und einen weiteren Gesang endete die Feier. Der erste Schultag war der 26. April 1898. Die Schüleranzahl betrug 61, davon 31 Jungen und 30 Mädchen.

Zitat Schulchronik

„Während des Monats August wirkte die außerordentliche Hitze störend auf den Unterricht ein. Dazu kam noch, dass die unmittelbar am Schullokale vorbeifließende Röder infolge des niederen Wasserstandes so unangenehme Gerüche entwickelte, dass das Atmen erschwert wurde.“

Am 23.Dezember fand eine Weihnachtsfeier im Saale des Gasthauses statt, da dass Klassenzimmer nicht alle Schüler aufnehmen konnte. Am Ende des Schuljahres betrug die Anzahl der Kinder 65. 7 Kinder verlassen die Schule, 2 durch Fortzug der Eltern. Am 26. März fand die feierliche Einsegnung der Konfirmanden durch den neuen Ortsschulinspektor Pastor Mögling aus Würdenhain statt. Das erste Schuljahr endete am 29. März 1899 mit Beginn der Osterferien.

1899/00: Das neue Schuljahr begann am 10. April 1899. Es traten 5 Jungen und 2 Mädchen ein, so dass die Schüleranzahl 63 beträgt. Es gab eine eigene Schulkapelle, die zur Sedanfeier am 2. September abends durch das Dorf marschierte und unter den Klängen des Zapfenstreiches feierliche Stimmung, für das am nächsten Tag stattfindende Kinderfest erzeugte. Am 23. Dezember fand wieder die Weihnachtsfeier im Gasthaus statt. Die Konfirmation fand am Palmensonntag statt. Es verließen 6 Schüler die Schule.Der letzte Schultag war der 11.April 1900.

1900/01: Am 23.April 1900 begann das neue Schuljahr. 2 Mädchen und 5 Jungen traten neu ein, die Schüleranzahl beträgt nun 60. Am 15.Oktober wird der Lehrer Sachse nach Oschätzchen versetzt. Der neue Lehrer Wilhelm Engel tritt am 10.März seine Stelle an. Es findet eine feierliche Einführung durch den Ortschulinspektor Mögling statt. Am 3.April 1901 werden die Konfirmanden durch den Lehrer entlassen. Es nahmen der Schulvorstand und einzelne Gemeindemitglieder teil.

1901/02: Das neue Schuljahr begann Mitte April 1901. Die Schulneubauverhandlungen sind im Herbst 1901 abgeschlossen. Der Zuschlag ging an Herrn Maschter aus Mühlberg. Am 29.Januar fand der Familienabend statt, über den auch im Liebenwerdaer Kreisblatt berichtet wurde. An diesen Tage wurde ebenfalls der Geburtstag des Kaisers gefeiert. 6 Konfirmanden schieden am 26.März aus der Schule. Die Feier fand unter Anwesenheit der Eltern statt. An diesen Tag endete auch das Schuljahr.

1902/03 ( Jahresbezeichnung nicht in der Schulchronik erwähnt)

Anfang April begann der Neubau der Schule. Der Bau wurde vom „umsichtigen und geschickten Maurer Jahre aus Prieschka“ geleitet und am 2.August1902 fertig gestellt. Am 8.August erfolgte die endgültige Abnahme durch den königlichen Kreisbaumeister Wagenstein aus Torgau.

Die goldene Inschrift der Tafel lautet :
„ Spr.23, V.26 Gib mir, mein Sohn dein Herz und lass deinen Augen meine Wege Wohlgefallen“.

Zu Ehrung des bedeutungsvollen Ereignisses fand am 17.August 1902 eine „Schulweihe“, verbunden mit einen Kinderfest statt. Ein Bericht dazu erschien im Liebenwerdaer Kreisblatt. Es war wohl das größte Fest des Ortes zu dieser Zeit. Der Schulvorstand, der Kriegerverein, die Einwohner Prieschkas und zahlreiche Gäste aus den umliegenden Gemeinden nahmen daran teil. Man traf sich zwei Uhr Nachmittags an der alten Schule. Es wurde gesungen und Gedichte aufgesagt. Dann hielt der Pastor Mögling eine „Abschiedsrede“ von der alten Schule. Danach begann der Festzug zur neuen Schule. Dort wurde das Fest mit Gedichten der Schüler und Gesängen des Parochialkinderchores (ca.250 Kinder) fortgesetzt. Der Baumeister Maschter aus Mühlberg übergab dann das Gebäude an den Schulvorstand. Der Lehrer Engel verlässt am 15.April 1903 die Schule.

1903/04: Der Unterricht im neuen Schuljahr begann am 20. April 1903. An diesem Tage wird der neue Lehrer Max Pätzold in sein Amt eingewiesen. In die Schule werden 4 Jungen und 4 Mädchen neu aufgenommen. Die Anzahl der Schulkinder beträgt bei Beginn des Schuljahres 54. Sonntag vor Pfingsten feiert in Würdenhain der Missions-Hilfsverein der Ephorie Elsterwerda ein Missionsfest. Daran beteiligten sich auch Schüler aus Prieschka sowie die Musikkapelle unseres Dorfes.Im November wurden auf Kosten der Schulgemeinde 9 Obstbäume bezogen und im Schulgarten gepflanzt. (Preis der Bäume 10,45 Mark) Auch wurde in der Küche ein Kachelofen errichtet und ein Kessel dazu beschafft. (ca.35 Mark) Am 23.Dezember wurde im Saale des Gasthauses ein Familienabend abgehalten. Das Fest war gut besucht, obwohl die im Eisenwerk Gröditz beschäftigten Gemeindemitglieder am Erscheinen verhindert waren. Es wurde ein abwechslungsreiches Programm mit Gesängen, Gedichten und Vorträgen abgehalten. Am 30.März 1904 endete das Schuljahr. An diesen Tage fand auch die Entlassung der 5 Konfirmanden statt. Die Schüleranzahl beträgt nun 45, nachdem die Anzahl im Laufe des Jahres ziemlich schwankte.

1904/05: Das neue Schuljahr begann am 11.April 1904. Es wurden 4 Jungen und 3 Mädchen aufgenommen, so dass die Schüleranzahl 52 beträgt. Im November wurde eine Befragung durchgeführt, wie viele schulpflichtige Kinder gegen Lohn Arbeiten in der Land- u. Forstwirtschaft verrichten mussten (Bezugsdatum 16.November vorigen Jahres). Die Auswertung ergab, dass alle Schüler über 10 Jahre, sowie auch ein großer Prozentsatz der Jüngeren, in Lohnarbeit standen. Dabei haben viele außerhalb der Ferienzeit durchschnittlich 3 Wochen mehr als 6 Stunden täglich gearbeitet. Am nächsten Morgen mussten sie schon wieder frühzeitig beim Vieh füttern oder bei sonstigen ländlichen Arbeiten im Elternhaus mithelfen, so dass sie meist in der 4. oder 5. Stunde fast völlig versagten. Im Laufe des Jahres erhielt die Schulbücherei einen Zuwachs von 58 Bänden, wovon 2 vom Förster Münder und einer vom Lehrer gestiftet wurden. Die anderen wurden vom Ortschulinspektor hiesiger Schule überlassen. Am 27.Januar wurde, wie jedes Jahr des Kaisers Geburtstag gefeiert. Am 18.April 1905 fand die feierliche Entlassung der 7 Konfirmanden statt.

 

Das Rittergut

1608 wurde das Mühlengut aufgrund Verschuldung der Besitzer enteignet. 1614 mit dem Neubau der Mühle, wurde aus der ehemaligen Schenke des Mühlengutes und dem Wirtschafts- und Wohngebäude ein Hufengut errichtet (Grundstück Adler). Dieses wurde dem Forst- und Wildmeister Friedrich Sieber übergeben und später erblich zugesichert. Es wurde dort ein Forsthaus eingerichtet das bis 1648 bestand. Die Mühle gehörte zum Amt Liebenwerda und 1969 bekam sie ein David Kupfer. 1676 erwarb das Hufengut unter ihren Besitzer Sieber die Mühle vom Besitzer Kupfer. Durch die Vererbung des Gutes an die Verwanden Siebers gelangte das Hufengut 1692 in den Besitz des Obrist-Wachtmeisters Andreas Gottfried von Kirchbach. Gleichzeitig erwarb er alle Ländereien der durch den dreißigjährigen Krieg ausgestorbenen Bauernhöfe und schuf das Freigut Prieschka. 1698 erhielt Kirchbach über das Dorf die Ober- und Erbgerichte, sowie die Schriftsässigkeit. Es entstand das Rittergut. In der Kirche zu Würdenhain ließ er sich einen Herrschaftsstuhl einrichten. Zum eigenen Schankgut erwarb er noch das Schankgut Würdenhain. Das Gut hatte damals eigene Winzer in Prieschka und Haida. Die Weinberge befanden sich in Haida. Mit Erwerb der Gerichtsbarkeit erfolgte die Trennung des Ortes in Gutsbezirk und Dorfgemeinde. Im Gutsbezirk herrschte der Gutsherr, im Dorf ein Erbrichter (Erbhufengut).

Nach dem Tod Kirchbachs 1724 bekam das Rittergut sein Vetter, der Königlich Polnische und Kurfürstlich Sächsische Zug-Hauptmann Hans-Karl von Kirchbach. Zu seinem Besitz gehörten außer der Mühle und der dazu gehörigen Hufe Land folgende in den Akten namhaft gemachte Grundstücke: „1. Clemen Lehmanns 1 Hufenguth. 2. Hannß Riedels oder Antonius Merkischens 1 ½ Hufenguth. 3. Simon Wuigks 1 Hufengut. 4. Thoman Schneiders ½ Hufenguth. 5. Eine Wiese im Oppach. 6. Ein Stück Wiesenwachs, der Trubel genannt. 6. Hannß Keßels Häußel in Hende.“

Im Jahr 1746 verkaufte Frau Sophia Hedwig Christina von Kirchbach die Mühle, im Auftrag ihres Mannes, Hanns Carle von Kirchbach auf Tauschwitz und Richtewitz, seiner Majestät in Polen und kurfürstlichen Durchlaut zu Sachsen hochgeehrten Berghauptmannes, an den Müller Johann Rohrbach aus Gröditz (siehe Kopie „Schwarze Elster“ vom 24.06.1909). Die Witwe Kirchbachs verkauft das Rittergut 1766 an einen Ditzthum von Eckstädt. 1768 gehörte das Rittergut der Frau Amtshauptmann Frederika Elenora Louisa Ditzthum von Eckstädt. Anfang des Neunzehnten Jahrhunderts gehörte das Rittergut einen Herrn Kadner. Viele Jahrzehnte besaß es dann die Familie Fischer. 1815 heirate der Rittergutsbesitzer Fischer die Witwe des ehemaligen Schankwirtes Voigt. Dieser Fischer unterhielt auch einen Holzhandel und nannte sich Schankgutbesitzer und Holzhändler. Die Holzlagerstätten befanden sich an den jetzigen Grundstücken Schuhmann und Dietrich. Die Herrschaft besaß bedeutende Rechte, so z.B. in der fiskalischen Forst „Hutungs- und Holzgerechtsame“. Als der Fiskus beide Rechte ablöste, erhielt das Rittergut dafür 52 Morgen Land im so genannten „Reichenhainer Busch“. Durch die Teilung der Forstreviere 1833, erwarb das Gut die Flurstücke Oppach und Kliebing. Damit vergrößerte es sich erheblich. Die Waldgebiete reichten bis zu den Orten Würdenhain, Saathain und Reichenhain und grenzten an die Gemarkungen von Oschätzchen und Zobersdorf. Wahrscheinlich erfolgten in dieser Zeit größere Abholzungen und Urbarmachung für Äcker und Wiesen.

Seit dem 17.Jahrhundert bestand auch eine so genannte Schaftrift. Die Schäferei mit einen sicherlich größeren Schafbestand befand sich in der Nähe der heutigen Gaststätte. Ursprünglich gehörten auch die Grundstücke Besser, Uhlemann und Schmidt dazu. 1839 brannte das Gasthaus, die Schäferei, und die vier Gehöfte der Hofleute nieder. Die neue Schäferei wurde abseits vom Dorf auf den jetzigen Standort der Werkstatt des Gutes errichtet. Die gutsherrliche Gerichtsbarkeit wird Mitte des 19.Jahrhunderts aufgehoben. 1863 ließ der Rittergutsbesitzer und preußische Offizier Leutnant Rudolf Fischer eine Umwandlung des gesamten Gutes vornehmen. Die Wirtschaftsräume, Stallungen, die Brauerei und Brennerei an der Röder (Grundstück Adler), sowie das Dreschhaus mit Bergeräume (Grundstück Schmidt/Frenzel) wurden abgebrochen. Das neue Gut wurde etwa 500m nördlich an der Straße nach Liebenwerda erbaut. Zum Gut gehören 700 Morgen Land.

1868 wurde das neue Herrenhaus errichtet. Dazu gehörten weiterhin vom Gutshaus aus auf der rechten Seite gesehen, am Eingang Hundezwinger, Toreinfahrt, Pferdeställe und Scheunen. Auf der linken Seite eine Brennerei mit hohen Schornstein, Inspektorwohnung und die Stallanlagen. Auf der Gutshausrückseite wurde ein Park und Obstplantagen angelegt. Der Gutshof war mit einer hohen Mauer umgeben. Der Gutshof hat zwei Einfahrten. Der Haupteingang ist die Kastanienallee an der Straße nach Liebenwerda. Eine andere Zufahrt zum Dorf befindet sich am linken südlichen Ende des Hofes. Am Südende des Gutshofes, außerhalb der Mauer, wurden Gesindewohnungen und Schnitterkasernen errichtet. In den Schnitterkasernen waren während der Haupterntezeit polnische Saisonarbeiter untergebracht. Auch deutsche Gutsarbeiter aus Schlesien kamen zur Saison zum Gut und wurden teilweise Stammbelegschaft und siedelten sich hier an. Hierzu zählen z.B. die Familien Stäbler, Krille und Londa. Wahrscheinlich 1892, das Todesjahr Fischers, gelangte das Gut in den Besitz des „deutschen Privat-Beamten-Vereins“. Am 8. Januar 1903 drangen zwei Gutsarbeiter in die Wohnung des Inspektors ein um ihn angeblich Vorhaltungen zu machen. Da die Leute eine drohende Haltung einnahmen wollte Herr Metje zum Gehstock greifen, bevor er ihn aber fassen konnte, drangen die Leute auf ihn ein. Frau Metje die ihren Mann beistehen wollte erhielt einen starken Schlag ins Gesicht, der noch Folgen haben kann. Nach dem die Unruhestifter mit Mühe aus der Wohnung entfernt wurden waren, zerschlugen sie noch einige Fensterscheiben und Blumentöpfe. Als Hilfe aus dem Dorf herbei geholt war, entfloh der ein Eindringling, der andere wurde gefasst und gebunden. Hierbei schlug er mit dem Messer um sich. Es konnte ihn aber rechtzeitig entrissen werden. Der Entflohene wurde später vom Wachtmeister festgenommen. Beide hatten sich vorher anscheinend Mut angetrunken.

Durch Brandstiftung brennen 1903 zwei Scheunen ab. 1909 wurden 300 Morgen des Rittergutes parzelliert und der Privat-Beamten-Verein verkauft die Anteile. 400 Morgen erwarb der bisherige Gutsinspektor Georg Steblein. Nach dessen Tod im Frühjahr 1909 ist die Witwe Stebleins Besitzerin des Gutes. Am 6. Oktober 1913 vernichtet ein Feuer sechs Scheunen. Otto Klaue ist 1926 Rittergutsbesitzer. Am 1.Oktober 1928 wird der Gutbezirk aufgelöst. Der Gemeindevorsteher von Prieschka übernahm sämtliche Geschäfte des Dorfes. Hermann Göbel ist 1942 Rittergutsbesitzer.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden mehrere herrenlose Bauernwirtschaften (Mühlengut Maidorn/Flössig; Wirtschaft Karl Hasemann, jetzt Richter/Karbaum und Wirtschaft Eißner, jetzt Hofmeister/Vorwerk) zusammengelegt, um sie zu einem kommunalen Landwirtschaftsbetrieb zu entwickeln, der anschließend als Kreisgeleiteter Tierzuchtbetrieb fortgeführt wurde. Im Zuge der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft 1961 wurde die LPG „Elstergrund gegründet. 1964 wurde die LPG wieder aufgelöst und zum VEG umgewandelt. Im Jahr 19 wurde die Zweigstelle des die Schweinemastanlage in der Nähe Oschätzchen erbaut. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 erfolgte die Reprivatisierung des Gutes. 1991 erwarb Herr Osterhuber das Gut, seitdem befindet sich dort die Osterhuber Agrar GmbH. Eine umfangreiche Sanierung und Modernisierung des Herrenhauses wurde 1995/96 durchgeführt.

 

Die Mühle

Ein Mühlengut mit Schenke muss es schon vor 1520 gegeben haben. 1525 gehörte das Mühlengut einer Familie von Schleinitz.

Nach dem Erbbuch von Mühlberg aus dem Jahr 1550 waren die Einwohner von Prieschka einen gewissen Bernhard von Rotschitz, wahrscheinlich Besitzer des Gutes, steuerpflichtig. Später besaß ein Herr von Köckeritz und die Maltizischen Erben das Mühlengut. Diese aber mussten das Mühlengut 1608 an den Landesherren Christian II. abgeben, da die Mühle und Schenke gänzlich verschuldet und verkommen waren. Aus der Schenke wurde ein Forsthaus gemacht und den Forst- u. Wildmeister Friedrich Sieber gegeben und später erblich zugeeignet. Die Mühle wurde als Kammergut vom Amt Liebenwerda verwaltet.

1614 wurde die Mühle neu erbaut, der vorhandene Mühlgraben am Dorfausgang rechts, vom Mühlenwohngebäude bis Teichgrabenmündung ausgebaut und der Straßendurchlass zur Mühle erweitert. Durch Nutzung als Schuttabladeplatz ist der Graben jetzt zugefüllt und mit Sträuchern und Bäumen bewachsen. Um den Wasserstand des Mühlgrabens auf der erforderlichen Höhe zu halten, war in der Nähe der jetzigen Teichgrabenmündung in die Röder ein Stauwehr eingebaut. Die Eichenpfähle waren noch bis zum Ende des zwanzigsten Jahrhunderts zu sehen. Die Wirtschafts- und Wohngebäude der Mühlenbesitzer wurden südlich der Mühle (rechte Seite der Dorfausfahrt) errichtet. Auf Grund des vorhandenen Holzreichtums war eine Schneidemühle (Sägemühle) in der Röder, an der ehemaligen Aalfange, erbaut worden. Der Standort war flussaufwärts. Später wurde sie direkt an das Mühlengut verlegt. Sie befand sich als Anbau des Mühlengebäudes auf der linken Seite bei der Dorfausfahrt, auf der rechten Seite der Röder. Die neu erbaute Mühle überlebte den dreißigjährigen Krieg, brannte aber 1654 über Nacht durch Brandstiftung völlig nieder.

Das Amt Liebenwerda übergab die Mühle 1669 einen David Kupfer, einem ehemaligen Landsknecht, dem der Landesherr noch 540 Taler Kriegssold schuldete. 1676 verkaufte Kupfer die Mühle an den Forstmeister Sieber. Durch dessen Erben gelangte die Mühle 1692 in den Besitz des Obrist-Wachtmeisters Andreas Gottfried von Kirchbach, der 1698 über das ganze Dorf die Ober- u. Erbgerichte nebst Schriftsässigkeit erhielt. Das Mühlengut wurde hiermit zum Rittergut umgewandelt. Nach dessen Tod 1724 erhielt sein Vetter der königliche polnische und kurfürstliche sächsische Zug-Hauptmann Hans Karl von Kirchbach die Mühle und die dazugehörigen Hufe Land.

1725 war Martin Gebhardt Pächter (ehemals Pachtmüller zu Saathain) der Mühle. Dessen Sohn Gottfried war 1727 Müllerbursche, danach Pacht- u. Erbmüller, ging 17.. nach Saathain. Vor 1746 war der Müllermeister Johann Erdmann Böhling Pächter der Mühle. Im Jahr 1746 verkaufte Frau Sophia Hedwig Christina von Kirchbach die Mühle, im Auftrag ihres Mannes, Hanns Carle von Kirchbach auf Tauschwitz und Richtewitz, seiner Majestät in Polen und kurfürstlichen Durchlaut zu Sachsen hochgeehrten Berghauptmannes, an den Müller Johann Rohrbach aus Gröditz (siehe Kopie „Schwarze Elster“ vom 24.06.1909).

Das war nun die endgültige Abspaltung der Mühle vom Rittergut. Der Müller war nun meistens auch Besitzer der Mühle. 1768 kaufte der Müller von der Herrschaft des Rittergutes, das zu dieser Zeit der Frau des Amtshauptmann Ditzthum von Eckstädt gehörte, einige Grundstücke, und es wurde ihm das Recht zugestanden, für sich und seine Mahlgäste Branntwein zu brennen. In einem Nachtrag zum Kauf wurde die Erlaubnis des Brennens und Verkaufs von Branntwein wieder rückgängig gemacht, da sich der Schankwirt Prochwitz beschwert hatte. Für den Wegfall dieser Begünstigung zahlte die Herrschaft an den Besitzer der Mühle 20 Taler. 17?? vererbte Johann G? die Mühle an seinen Sohn Johann G? Nach dem die Mühle lange Zeit der Familie Rohrbach und deren Verwandten (Fam. Müller) war, erwarb um 1870 Moritz Flössig durch Heirat die Mühle. 1908? übernahm Karl Flössig die Mühle von seinem Vater Moritz Flössig.

Von 1914 bis 1916 wird die Mühle modernisiert und ein Ölmotor eingebaut. Der Mühlenbesitzer Flössig erhielt vom Regierungsbezirk eine Entschädigung von 30000 Mark. Eine Tochter der Familie Flössig heiratete 1931 einen Kurt Maidorn. Dieser war von 1934 bis 1945 Bürgermeister der Gemeinde Prieschka. Um einer drohenden Verhaftung zu entgehen flüchtete Kurt Maidorn 1948 nach Westberlin.

In den Jahren des zweiten Weltkrieges wurde der Mühlenbetrieb, aufgrund Ölmangels, auf Elektroenergie umgestellt. Während der Maidornschen Zeit wurden pro Tag etwa 40 Zentner Mehl gemahlen. Die Frau Kurt Maidorn und dessen Sohn Kurt, der in Halle studierte, verließen 1953 in einer Hals über Kopf-Flucht die DDR in Richtung Westberlin. Sie sollten ebenfalls verhaftet werden, konnten aber rechtzeitig gewarnt werden. Die Bauernwirtschaft kam unter staatliche Verwaltung, die Mühle in die Rechtsträgerschaft der Gemeinde.

Dann wurde die Mühle von der Gemeinde an den Müllermeister Thieme aus München bei Uebigau verpachtet, der diese bis 1961 betrieb.

Im Zuge der „sozialistischen Umgestaltung“ der Landwirtschaft und Gründung der LPG „Elstergrund“ wurde die Mühle von der LPG bewirtschaftet. Mit der Auflösung der LPG 1964 und den Übergang zum VEG übernahm das Gut auch die Mühle. Mit dem Einbau von Mischmaschinen und pneumatischen Förderanlagen wurde die Mühle umgerüstet und diente zur Herstellung von Mischfutter für die Rinder- u. Schweinemast.

Erhart Schiffner war der letzte Müller in Prieschka. Er arbeitete dort von 1971 bis 1991. Mit der Wiedervereinigung und der Reprivatisierung des Gutes 1991 wurde die Mühle der Familie Maidorn zurückgegeben und der Mühlbetrieb eingestellt.

Die Familie Schenke erwarb 1998 die Mühle samt Ländereien. Im Mai 2000 pachtete Rene Lindner die Mühle, um sie als Lagerplatz für historische und ökologische Baustoffe zu nutzen. Leider wurde die Mühle 2014 abgerissen.